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von Benjamin Hupf

ADC-Wettbewerb: Wandel der Werbung

Alljährlich kommen sie zum ADC Festival zusammen, Mitlieder und Außenstehende des Art Directors Club. So auch im April in Hamburg. Vorab schon breitflächig plakatiert: die bunt-schrille Kampagne „Fütter Deine Kreativität“. Mit Blick auf die Liste der Grand Prix-Gewinner wenige Wochen später mutet sie fast altmodisch an: Bis auf das beste Editorial der „Welt“ werden die Kategorien Werbung, Design, Event und Kommunikation im Raum und natürlich Digital allesamt digital präsentiert. Die Zeiten, in denen eine tolle Print-Kampagne hochgehalten wird, sind vorbei. Denn es dreht sich um virale Verbreitung, Klicks, Likes, Kommentare. Was ausgerechnet die Bundeswehr da abgeliefert hat, ist unabhängig von politischer oder ethischer Einordnung erstaunlich: „MALI die Chatbotserie“. Mögen Panzer und U-Boote vor sich hin rosten – technisch hat es die Truppe in diesem Fall drauf. Angepriesen als „größter deutschsprachiger Bot“ erreichte die Serie 440 000 Abonnenten über diverse Messenger.

Den Chatbot, einen rein technischen Text-Dialogpartner, kennen weniger digitalaffine User vom Shoppen im Internet. Am Rand ploppt ein kleines Fenster auf, in dem formelhaft „Hallo! Wie kann ich Dir helfen?“ oder etwas in der Art steht. Bezüglich des UN-Einsatzes in Mali (die ahnungslosen Jungredakteure bei bento seien an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Mali kein Kriegseinsatz ist) liefert der Chatbot Informationen und beantwortet – soweit er die Inhalte gelernt hat – Fragen. Andernfalls verweist er an einen realen Kameraden. Mit Videos nehmen die Nutzer fast hautnah am Geschehen teil – Ziel des Ganzen ist natürlich, neue Soldaten zu rekrutieren. Vielleicht sollte allerdings erstmal das Gerät wiederhergestellt werden….

Eine in meinen Augen ganz großartige Idee lieferte die Agentur Datenstrudel aus Berlin mit ihren „Inszenierungen für vorbeifahrende Züge“. Wer auf einem definierten Streckenabschnitt aus dem ICE-Fenster guckt, sieht Steinzeitmenschen, die auf dem Feld eine künstliche Kuh über dem Feuer rösten, Ruderbootfahrer, die sich in einem Tümpel dem Angriff eines Weißen Hais erwehren oder auch den in Worte getrennten, kritischen Schriftzug „Wir müssen immer schneller laufen, um unseren Platz in der Welt zu halten“. Die Aktion erzeugte ein großes Medienecho in Print und TV und natürlich auch im Netz.
Es mag heute um Klicks und Likes gehen, unterm Strich bleibt aber bestehen, was schon vor dem Internet galt: Viel Aufmerksamkeit entsteht durch eine tolle Idee. Und die kommt aus keinem Computer.



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